Klimapfad
Unser Klimapfad
Das Klima wandelt sich. Schon immer. Nach dem Ende der letzten Eiszeit leben wir in einer Warmzeit. Dabei zeigt die Klimageschichte durchaus regionale und globale Abweichungen in den Temperaturverläufen, nach oben und nach unten.
Doch seit Beginn der Industrialisierung zum Ende des 18. Jahrhunderts, also seit mehr als 200 Jahren, steigt die globale Oberflächentemperatur rasant an. Ursache ist die menschengemachte Verstärkung des Treibhauseffekts. Darin stimmen über 90 Prozent der Klimawissenschaftler überein.
Klimawandel intuitiv
Viele blaue Streifen links, immer mehr rote Streifen rechts. Heißt: kühle Temperaturen früher, zunehmend warme in den letzten Jahren.
Die Klimastreifen zeigen die zunehmend erhöhten Durchschnittstemperaturen der Jahre 1881 bis 2022 für Niedersachsen; genauer: deren Abweichungen von einem Referenzwert nach unten (blau) oder oben (rot). Dieser Referenzwert ist die Durchschnittstemperatur der Jahre 1971 bis 2000. Denn in der Zeitspanne wurden etwa 50 Prozent der zwischen 1850 und 2018 entstandenen Erderwärmung erreicht.
Je größer die Abweichung vom Referenzwert, umso stärker ist die Sättigung der Rot- und Blautöne. Ein dunkelroter Streifen zeigt somit eine stark erhöhte Durchschnittstemperatur an. Und die gab es auch in Niedersachsen in den letzten 10 Jahren immer häufiger.
Jäger am See
Dort, wo heute unsere Baumhäuser stehen bis hinunter über die Wiese erstreckte sich einst ein See. Das ergaben die Baugrunduntersuchungen. Es wurden Ablagerungen nachgewiesen, wie sie sich am Grund stehender Gewässer sammeln. Das Alter dieser Sedimente wurde auf 120.000 Jahre bestimmt. Damals herrschte die Eem-Warmzeit. Neandertaler besiedelten weite Teile Europas. Auch in Dübbekold hinterließen sie ihre Spuren: Oberhalb des gegenüberliegenden einstigen Seeufers wurden ihre Faustkeile gefunden.Auf das Eem folgte die Weichsel-Eiszeit, die vor rund 10.000 Jahren in die gegenwärtige Warmzeit überging.
Die Wasserproduzenten
Nach einem ergiebigen Landregen versickert ein Teil des Wassers im Boden. Aber wie viel Niederschlag im Grundwasser landet hängt auch davon ab, ob es auf einen Acker, eine Wiese oder einen Wald regnet. Macht es auch einen Unterschied, ob es sich, sagen wir, um einen Kiefernwald oder einen Buchenwald handelt?
Die Antwort lautet: ja!
Bei den Kiefern bleibt ein großer Teil des Niederschlags in den Kronen hängen und verdunstet mit dem nächsten Sonnenlicht, ohne je auf die Erde zu gelangen. Ganz anders die Buche. Der Regen fällt auf Tausende Blätter, aufgefangen von den Baumarmen, die sie so in den Himmel strecken, dass sie wie Regenrinnen sind. An ihrem glatten Stamm laufen die Rinnsale zusammen und hinunter auf den Boden. Ökologen nennen das „Stammabfluss“. Der Stammabfluss der Kiefer mit ihrer rauen Borke bleibt weit dahinter zurück.
Aufwendige Messungen zeigen: unter einem Kiefernbestand bildet sich 12 Prozent Grundwasser neu, unter Buchen aber 25 Prozent.
Im Grunde ein Problem
Unsere Trinkwasserversorgung galt lange als gesichert. Doch sinkende Grundwasserspiegel geben Anlass zur Sorge.
Auch hier in Dübbekold: Seit 1970 sank der Grundwasserpegel alle 10 Jahre um rund 50 cm. Doch in der letzten Dekade fiel der Pegel um das Doppelte.
Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig.
Zunächst unterliegt das Grundwasser natürlichen Schwankungen je nach Niederschlagsmengen, Temperaturen und Verdunstung. Für die Landwirtschaft wurden Feuchtgebiete trockengelegt, immer größere Flächen für Siedlungen, Straßen und Gewerbe versiegelt. Niederschlagswasser sollte möglichst schnell über Gräben, begradigte Bäche und Flüsse abgeführt werden.
Problematisch für die Grundwasserneubildung in der Göhrde sind auch die Kiefer-Monokulturen aus der Wiederaufforstung vor 60 Jahren. Denn die immergrünen Nadelbäume verdunsten gegenüber Laubbäumen im Jahresverlauf deutlich mehr Wasser.
Das kannst Du tun
… um unsere Wasserreserven zu schützen
- Bewusst konsumieren: Kleidung möglichst lange tragen, weniger Fleisch essen, öfter mal duschen statt baden, Leitungswasser statt Mineralwasser trinken.
- Haushalt und Garten: wassersparende Armaturen und Toilettenspülung einbauen, Wasch- und Spülmaschinen wassersparend einsetzen, zum Gießen ihrer Garten- und Balkonpflanzen Regenwasser auffangen, Auffahrt und Wege so gestalten, dass Regenwasser gut versickern kann.
- Wichtig: keine Chemikalien und Medikamente ins Abwasser, Kosmetikpads in den Restmüll, Putzwasser in die Toilette, nicht in den Straßengully, keinen Kunstdünger und keine Pestizide im Garten verwenden.
… für die Artenvielfalt
- Blühende Randstreifen stehenlassen; auf heimische Pflanzen setzen.
- Fassadenbegrünung und Gründächer einrichten. Sie dienen als Versteck und Nahrungsquelle, binden aber auch Luftschadstoffe und Kohlendioxid und entfalten eine dämmende Wirkung.
- Den Garten weniger aufräumen: Rückschnitt der Obstbäume und Laub nicht beseitigen, sondern in einer Ecke aufschichten.
- Und ohne Gift und Kunstdünger arbeiten!
Die Klima-verlierer
Wälder leiden unter der zunehmenden Trockenheit. Dabei haben Dürren bei verschiedenen Baumarten unterschiedliche Auswirkungen.
So gilt die Fichte in unseren Breiten als Verliererin des Klimawandels. Denn ihrer Natur nach sind sie an ein nasses, kühles Klima angepasst, wie es in den Hochlagen des Harzes und anderer Mittelgebirge herrscht. Auf geeigneten Standorten gehören Fichten zwar zu den produktivsten Bäumen. Allerdings leiden sie bei uns unter den geringen Niederschlägen während der Vegetationszeit. Hohe Sommertemperaturen begünstigen zudem die Entwicklung von Borkenkäferschäden, die bei Trockenstress auch gesunde Fichten befallen können. Ihr Aussterben in unserer Region ist nach Meinung der Forstexperten in absehbarer Zeit jedoch nicht zu befürchten.
Wander-Tipp
In Lüchow-Dannenberg kommen Fichten heute in fast allen Waldgebieten vor. Nahezu alle Vorkommen dürften auf Pflanzungen und deren natürliche Verjüngung zurückgehen. Die mit rund 190 Jahren wohl ältesten Fichten der Göhrde kannst Du im Bereich des Naturschutzgebietes „Lissauer Berge und Schweinsgrund am Tann“ westlich und östlich der Straße von Göhrde nach Himbergen bewundern.
Waldinsekten
Mehrere tausende Insektenarten leben im Wald oder halten sich dort für eine bestimmte Zeit ihrer Entwicklung auf. Je vielfältiger die Pflanzenarten, das Nahrungsangebot, die Bodenverhältnisse, das Kleinklima und die Altersstruktur des Waldes, desto vielfältiger ist die Insektenwelt.
Wie wird sich der Klimawandel auf die Lebensgemeinschaften im Wald auswirken?
Variabler Goldkäfer
Bunte Blattschneider-biene
Hummel-Waldschweb-fliege
Langfühler-Breitrüssler
Kiefern-schwärmer
Vorteil durch Vielfalt
Stürme, Nässe, Dürre und Borkenkäfer haben unsere Wälder in den letzten Jahren stark verändert. Der Klimawandel stellt auch die Forstleute vor enorme Herausforderungen.
Was tun? Die eine „Wunderbaum-Art“, die allen Risiken gewachsen ist, gibt es nicht. Im Gegenteil: Bestimmte Risikofaktoren wie der Fichtenborkenkäfer sind regelrecht auf einzelne Baumarten, mitunter sogar auf einen bestimmten Altersbereich spezialisiert. Besteht ein Forst also nur aus gleichalten Bäumen einer einzigen Baumart, kann schnell der gesamte Bestand vernichtet werden. In artenreichen Wäldern mit unterschiedlichen Baumaltern verteilt sich das Risiko, und es stirbt nicht gleich der gesamte Waldbestand. Entstandene Lücken können von den anderen Baumarten wieder geschlossen werden oder bieten Platz für natürliche Verjüngung. Selbst nach katastrophalen Stürmen oder Bränden bieten gemischte Wälder ein vielfältigeres Potenzial für die Neubesiedlung. – Vielfalt bietet hier große Vorteile.
Schon ein paar Grad ...
… bringen die Natur aus dem Gleichgewicht.
Seit Ende des 19. Jahrhunderts sind die Temperaturen in Niedersachsen deutlich angestiegen; im Jahresmittel um 1,6°C.
Was können wir tun?
Wälder sind wertvolle Kohlenstoff- und Wasserspeicher, aber auch Biomasselieferanten. Wir müssen sie daher gezielt schützen, indem z.B. Schutzgebiete vergrößert und die nachhaltige Bewirtschaftung ausgebaut wird.