Lesetipps
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Wo Worte lebendig werden
Lesen, genießen, ins Gespräch kommen – bei uns wird Literatur lebendig. Ob gemütliche Lesung im Kaminzimmer oder das „Belesene Bio-Menü“ mit Texten zwischen vier Gängen: Hier triffst du auf Geschichten, die berühren, zum Lachen bringen und einfach guttun.
Lesungen, Geschichten & Genussmomente
Lesen ist Leidenschaft – und wer sie teilt, weiß: Worte können verzaubern, bewegen und verbinden. Bei uns findest du regelmäßig Lesungen im Kaminzimmer mit Texten, die mal tiefsinnig, mal heiter sind. Bekannte Autorinnen und Autoren wie Muriel Barbery, Nora Gommringer oder Elke Heidenreich inspirieren zu neuen Gedanken und Gesprächen.
Ein besonderes Highlight ist unser „Belesenes Bio-Menü“. Seit 2010 liest Barbara Kenner zwischen vier Gängen kleine Geschichten zum Schmunzeln, Staunen und Nachdenken. Formlos, herzlich und mitten im Leben – genau so, wie Literatur sein sollte.
Barbara Kenner spricht über Ihre Buchtipps
"Bücher sind wie kleine Reisen – sie öffnen Türen zu anderen Welten, lassen uns neue Perspektiven entdecken und berühren Herz und Verstand zugleich. Jeder Tipp ist ein Stück meiner Begeisterung für Geschichten, die bleiben."
Barbara Kenner
Laetitia Colombani „Der Zopf“
Haare sind es, die hier drei Frauenschicksale verbinden. Drei Frauen, die auf unterschiedlichen Kontinenten wohnen und erst einmal nichts miteinander zu tun haben. Deren Leben so verschieden sind wie es nur geht. Smita lebt in Indien, und will nichts mehr, als dass ihre Tochter aus der Armut herausfinden kann, Giulia, lebt in Italien, wo sie das Unternehmen ihres Vaters retten will und die erfolgreiche Anwältin Sarah lebt in Kanada, als sie erfährt, dass sie krank ist. Erst hatte ich das Gefühl, dass diese Personen nicht so viel miteinander zu tun haben, aber es überkreuzen sich ihre Leben, wie wohl auch unsere Leben sich immer wieder mit fremden Leben kreuzen, teilweise auch ohne dass wir es wissen
Laetitia Colombanis Schreibstil ist wie ein Rausch. Ich habe das Buch durchgesuchtet und seitdem auch noch mehr von ihr gelesen, ich finde sie wunderbar.
Heather Marshall „Frag nach Jane“
Ich habe das Buch geschenkt bekommen. Und hatte so gar keine Lust, es zu lesen – das Thema Kinderwunsch und Abtreibung etwas, dass mir nicht so richtig erfreulich erschien. Aber dann habe ich doch angefangen und bin hineingezogen worden.
Ein Kind ist so wunderbar, bereichert unser Leben und gibt uns so viele Möglichkeiten, uns zu entwickeln, begleitet von so viel Liebe. Aber es gibt auch Situationen, in denen das nicht so ist, in denen der Gedanke, ein Kind zu bekommen bedrohlich ist, das ganze Leben durcheinanderwirft und einfach nicht passt. „Frag nach Jane“ ist der Code, den ein Frauennetzwerk in diesem Buch nutzt, um illegale Abtreibungen zu organisieren. Unterschiedliche Frauenschicksale treffen aufeinander, die sich auf unterschiedlichste Art mit dem Thema Kinderwunsch oder auch nicht auseinandersetzen. Insgesamt ist es ein Buch, das sehr liebevoll mit dem Thema umgeht und sich ausgesprochen schön liest.
In mir ist beim Lesen eine ganz große Dankbarkeit für die Frauen aufgekommen, die unser Recht auf Selbstbestimmung durchgekämpft haben und auch Dankbarkeit dafür, dass ich so spät geboren wurde, dass für mich diese Selbstbestimmung normal war.
Sofia Segovia "Das Flüstern der Bienen"
Bienen, Menschen und Politik, die sich im Alltag niederschlägt.
Ein Roman aus der Fülle des Lebens, der bewegt mit bildgewaltiger Sprache.
Ach, was soll ich dazu schreiben, es ist so schön! Ein Roman voller Magie, Menschlichkeit, liebevollem Verständnis für unterschiedlichste Menschen, sogar ein wenig für den „Bösen“. Ein Roman, der mir das frühe 20. Jahrhundert in Mexiko noch einmal ganz anders nahebringt. Die Sicht auf eine mir unbekannte Geschichte aus ganz persönlicher Perspektive einer Landbesitzerfamilie.
Es passiert viel: eine Pandemie, ständig drohende Revolution, familiäre Entwicklungen – und dazwischen? Ein Junge mit seinen Bienen, Bienen, überall Bienen, zu denen wir sowieso eine deutlich liebevollere Beziehung brauchen. Und diese Beziehung bietet Sofia Segovia in ihrem überaus wunderbaren Roman. Alles erzählt aus der Perspektive eines alten Mannes, der sein Leben gelebt und geliebt hat, der auch sein Mexiko liebt und uns mitnimmt.
Obwohl ich so gar keine Lust hätte, eine Plantage zu besitzen, wird mir dieses Landleben so schmackhaft gemacht, dass ich die Bienen summen hören kann, die Orangenbäume und die trockene Erde riechen kann.
Ein wirklich großer Roman, der mir Lust auf mehr von Sofia Segovia macht.
barbara kenner „Wolfsfreundschaft“
Ein wenig seltsam kommt es mir vor, einen Buchtipp für mein eigenes Buch zu schreiben. Aber, wenn ich es nicht mögen würde, hätte ich es nicht veröffentlichen sollen,…
Mein grünes Reh, Ricky ist mir sehr ans Herz gewachsen. Wie sie durch unsere Göhrde tollt, vom kleinen Rehkitz zum großen erwachsenen Reh wird, manchmal sehe ich sie bei meinen Spaziergängen durch das Gebüsch lugen, kleine grüne Ohren? Ein grüner Schatten, der vorbei huscht?
Im Buch begegnet sie Griesgram, dem großen grimmigen Wolf. Es beginnt eine eher ungewöhnliche Freundschaft zwischen Beute und Beutegreifer. Wölfe gab es lange nicht in der Göhrde, die Tiere sind verwirrt, wissen nicht, wie sie das finden sollen.
Und so gibt es einige lustige Situationen, aber auch der Tod hat seinen Platz, sind doch Wölfe diejenigen, die alten und kranken Tieren den Weg nach Hause vereinfachen.
Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, dieses Buch zu schreiben, in die Illustrationen von Liv Virnich bin ich ganz verliebt, Guache mit kräftigen Farben.
Und wenn ihr das Buch bestellen wollt, könnt ich das direkt bei uns tun, wir verschicken gerne:
info@kenners-landlust.de
Martin Ehrenhauser „Der Liebende“
Es ist ein Buch wie eine warme, kleine Hand, die mich streichelt. Monsieur Haslinger ist Priester im Ruhestand. Katholischer Priester. Und er verliebt sich in die Nachbarin. Eine leise Liebe, zart, fragend, sich vorsichtig annähernd, mit wunderbaren erotischen Momenten.
Sollte sich ein alter Priester verlieben und diesem Gefühl folgen? Der Gewissenskonflikt ist gar nicht so im Vordergrund, einfach eine Geschichte zweier alter Menschen am Ende ihres Lebens, die einen wunderbaren Moment miteinander verleben. Es geht nicht alles gut, aber immer wieder sind da Momente, die mich wirklich berührt haben und auch glücklich zurückließen.
Rutger Bregman "Im Grunde Gut"
Wenn ihr mal ein Buch lesen wollt, das wirklich guttut, dann dieses – diesmal ein Sachbuch. Rudger Bregman ist ein Historiker aus den Niederlanden – manchen vielleicht bekannt durch einen Videoclip, der viral ging.
Er war auf der Weltwirtschaftsforums-Konferen
Dieses Buch ist ein Buch über das Wesen der Menschen, unser Wesen. Und er stellt die These auf, dass wir durch unsere prinzipielle Kooperationsbereitschaft und unsere Hilfsbereitschaft so weit gekommen sind in unserer Entwicklung.
Derzeit reden wir uns allerdings ein, nur durch Gesetze, Vorschriften und Strafen zügelbar zu sein, dass die Welt immer schlimmer wird und wir immer Angst haben müssen.
Er zerpflückt Geschichten, die mich geschockt haben, als ich sie gelesen habe – das Stanford Prison Experiment, das Milgram Experiment, …und vieles mehr. Und er untersucht, was wirklich geschah, z.B. bei 9/11, als die Menschen sich gegenseitig halfen, nach unten zu kommen in dem Wissen, dass es sie ihr eigenes Leben kosten könne.
Am Ende des Buches saß ich mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht da und war begeistert. Er hat den Mut, optimistisch an die Welt heranzugehen und das tut unendlich gut.
Jobst Mahrenholz "Tullio"
Ein Buch über Freundschaft, Anderssein und echte Menschlichkeit
Ich bin noch ganz hingerissen. Kaum habe ich das Buch zugeschlagen, wollte ich allen davon erzählen – so sehr hat mich die Geschichte bewegt. Jobst Mahrenholz begegnet seinen Figuren mit spürbarer Liebe und lässt sie einfach sein, ohne sie in Klischees zu pressen oder zu bewerten.
Tullio erzählt von einer besonderen Freundschaft: Tullio, der eines Tages im Staub sitzt, und Davide, der sich zu ihm setzt. Zwischen beiden entsteht eine Verbindung, die frei von gesellschaftlichen Erwartungen bleibt. Inmitten familiärer Konflikte und leiser Dramen lernen sie, sich selbst zu akzeptieren – so, wie sie sind. Ein Buch voller Wärme, Tiefe und Menschlichkeit.
Mein Fazit: Absolut lesenswert – eine stille Hommage an das Leben und die Freiheit, man selbst zu sein.
Silvie Schenk "Roman d'amour"
Eine Liebesgeschichte aus der Retrospektive, ein kunstvoll ausgearbeitetes Spiel mit vielen Ebenen, sprachlich raffiniert und immer wieder Quell der Freude.
Amy Waldman "Das ferne Feuer"
„Das ferne Feuer“ – ein berührender Roman über Verantwortung und Menschlichkeit
Amy Waldmans Roman hat mich tief berührt. Die Wandlung der jungen Parvin von einem gutgläubigen Fan eines selbstverliebten Betrügers hin zu einer Frau, die sich mit den großen Fragen des Lebens auseinandersetzt und in schwierigen Situationen eigenständige Entscheidungen trifft, ist eindrucksvoll und glaubwürdig erzählt. Anfangs fiel mir der Einstieg etwas schwer, doch Waldmans atmosphärische Naturbeschreibungen haben mich gehalten – und zum Glück, denn sonst wäre mir eine intensive Geschichte entgangen.
Der Roman behandelt zentrale Fragen: Wie viel Gutes tun wir, wenn wir helfen wollen, ohne uns vorher zu informieren? Wollen die Menschen, denen wir helfen, diese Hilfe überhaupt? „Verflechtung ist die natürliche Ordnung der Dinge“, schreibt Waldman – und zeigt damit, dass wir nicht untätig bleiben können, wenn wir Unglück sehen. Besonders faszinierend ist die Entwicklung der Figuren: Selbst weniger sympathische Charaktere werden nachvollziehbar und berührend dargestellt. Ich blieb zurück mit dem Wunsch, das Leben dieser Menschen weiter zu verfolgen.
Fazit: Ein tiefgründiger, nachdenklich machender Roman – unbedingt lesenswert!
Ernst Gläser "Der letzte Zivilist"
Ein eindrucksvolles Porträt der Weimarer Zeit
„Der letzte Zivilist“ von Ernst Gläser hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Das Buch behandelt die Zeit bis zur Machtergreifung Hitlers und beleuchtet, wie Menschen dieser Generation die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche erlebten. Gläser beschreibt die Figuren mit großer Nähe und Einfühlungsvermögen: die Mutter, die einem charismatischen Parteimitglied verfällt, Hans, der selbst Zweifel hat, und Johann Kaspar Bäuerle, ein überzeugter Demokrat, der aus Amerika zurückkehrt, um die deutsche Demokratie zu unterstützen. Durch diese persönlichen Geschichten versteht man die komplexen Entwicklungen jener Zeit auf ganz neue Weise.
Trotz des schweren Themas vermittelt der Roman Wärme und Menschlichkeit. Die inneren Konflikte und äußeren Umstände der Figuren, ihre Hoffnungen, Ängste und Träume, lassen das historische Geschehen lebendig werden. Gläsers Leidenschaft für seine Charaktere und sein Land machen das Buch zu einem eindrucksvollen, berührenden Leseerlebnis.
Fazit: Ein unverzichtbarer Roman für alle, die Geschichte lebendig erfahren und die Menschen hinter den Ereignissen kennenlernen möchten – unbedingt lesenswert, auch wenn das Buch heute nur noch antiquarisch erhältlich ist.
Nicole Krauss "Die Geschichte der Liebe"
Ein bewegendes Porträt von Liebe, Verlust und Lebensfreude
Nicole Krauss zieht mit ihrem Roman sofort in den Bann. Leo Gurski, ein älterer Mann, der nach dem Holocaust alles verloren hat, lebt in New York und gestaltet seinen Alltag knurrig, verletzlich, aber auch voller Lebensfreude. Krauss gelingt es meisterhaft, seine Perspektive lebendig und nahbar zu machen. Zwischen amüsanten Alltagsszenen und erschreckenden Erinnerungen entfaltet sich ein tief berührendes Porträt eines Menschen, der trotz aller Verluste das Leben nicht aufgibt.
Die zweite zentrale Figur, die 15-jährige Alma, kämpft mit dem frühen Tod ihres Vaters und entwickelt eine rätselhafte Verbundenheit zu Leo. Krauss verbindet geschickt Alltag, Humor und Tragik, sodass man mitfühlt, lacht und tränt zugleich. Ein Roman voller Intensität, der zum Nachdenken anregt und gleichzeitig das Herz berührt.
Fazit: Ein einfühlsames, emotional bewegendes Buch über Liebe, Schicksal und die Kraft der Erinnerung – absolut lesenswert.
Alice Walker "Im Tempel meines Herzens"
Eine bewegende Reise zu den eigenen Wurzeln
Alice Walkers Roman hat mich tief berührt und mit meinen afrikanischen Wurzeln verbunden. Die vielen Hauptpersonen und ihre Geschichten sind weniger zentral als die intensive Verbindung zur eigenen Herkunft und den verschiedenen Kulturen, die im Buch lebendig werden. Besonders Lissie, die Erinnerungen an vergangene Leben hat, zeigt, wie Beziehungen farbig, vielschichtig und voller Impulse sein können – ohne in stereotypen „Happy Ever After“-Mustern zu verharren.
Walker nimmt uns mit auf eine Reise durch Afrika, Nord- und Südamerika, erzählt von Schwarzen, Indios und ihren Lebenswelten. Ihr Umgang mit Vergebung, Heilung und Selbstannahme ist inspirierend und macht Hoffnung. Ein Buch, das nicht nur Geschichten erzählt, sondern zum Fühlen, Nachdenken und zur Reflexion eigener Beziehungen anregt.
Fazit: Ein intensiver, berührender Roman über Herkunft, Identität und die Kraft der Vergebung – unbedingt lesenswert.
David Gilmour "Unser Allerbestes Jahr"
Zeit, Verständnis und Raum für das eigene Leben
David Gilmours Roman erzählt von der tiefen Beziehung zwischen Vater und Sohn. Als Jesse, 16 Jahre alt, beginnt, sich gegen das „normale“ Leben aufzulehnen, erkennt sein Vater, dass er ihm nur dann helfen kann, wenn er Raum zur eigenen Entfaltung lässt. Mit einem ungewöhnlichen Angebot – Schule abbrechen, zu Hause leben, ernährt werden, dafür keine Drogen und wöchentliche Filmgespräche – begleitet er seinen Sohn liebevoll und ernsthaft auf seinem Weg.
Die Diskussionen über Filme eröffnen neue Perspektiven und zeigen, wie wichtig Aufmerksamkeit, Vertrauen und Geduld in der Eltern-Kind-Beziehung sind. Gilmour schildert eindrucksvoll, wie Zeit, Zuhören und Freiheit die persönliche Entwicklung fördern. Ein berührendes Buch über Liebe, Verständnis und die Wertschätzung des Individuums.
Uzodinma Iweala "Du sollst Bestie sein"
Ein eindringlicher Blick auf Kindheit im Krieg
Uzodinma Iwealas Roman erzählt die Geschichte von Agu, einem jungen Jungen, der nach der Ermordung seines Vaters während eines Guerillaüberfalls gefangen genommen wird. Aus der Perspektive eines Kindes beschreibt das Buch eindringlich, wie Agu versucht, sich in einer grausamen Umgebung anzupassen, ohne seine Menschlichkeit zu verlieren. Freundschaft und der Traum von Frieden bieten ihm kleine Lichtblicke inmitten der Gewalt.
Der Autor, in den USA aufgewachsen und Absolvent von Harvard Creative Writing, schrieb das Buch mit 23 Jahren nach Erfahrungen mit traumatisierten Kindersoldaten. Es ist kein leichtes Buch, aber ein wichtiges, das Verständnis und Empathie für die Situation der Kinder weckt. Ein absolutes Muss für alle, die Literatur nutzen möchten, um in andere Lebensrealitäten einzutauchen.
Carl Zuckmayer "Als wär's ein Stück von mir"
Ein faszinierender Einblick in Zuckmayers Leben und Engagement
Carl Zuckmayers Leben in Österreich ab 1926 zeigt eine Mischung aus künstlerischem Schaffen, persönlichem Glück und politischem Engagement. Trotz der sich zuspitzenden Lage in Deutschland arbeitete er weiter als Schriftsteller, sprach öffentlich gegen die Nazis und erlebte abenteuerliche Fluchtmomente, die Mut und Entschlossenheit zeigen. Besonders berührend ist seine Unterstützung durch Freunde und Weggefährten sowie sein Einsatz, junge Menschen über Verantwortung und Freiheit aufzuklären.
Sein Buch bietet eine gut lesbare Mischung aus historischen Ereignissen, persönlichen Erlebnissen und literarischer Leichtigkeit. Zuckmayers Umgang mit der deutschen Vergangenheit, besonders in Bezug auf Künstler und Intellektuelle, vermittelt ein tiefes menschliches Verständnis. Für alle, die sich für Literatur, Geschichte und politische Verantwortung interessieren, ist dieses Werk eine wichtige und bereichernde Lektüre.
Junot Diaz "Das kurze Wundersame Leben des Oscar Wao"
Ein berührender Blick auf Familie, Fluch und Mut
Junot Díaz erzählt in Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao die Geschichte einer Familie, die unter dem sogenannten „Fuku“ leidet – einem generationsübergreifenden Fluch voller Missgeschicke und Tragödien. Von der Ermordung seiner Großeltern bis hin zu Entführungen und Misshandlungen der Mutter lebt Oscar in einer von Schmerz und Verlust geprägten Welt. Übergewichtig, sozial unbeholfen und von Rückschlägen verfolgt, begleitet der Leser Oscar auf seinem steinigen Weg durch Misserfolge und Herausforderungen.
Trotz aller Widrigkeiten entscheidet sich Oscar, in die Dominikanische Republik zurückzukehren, seinen Träumen zu folgen und sich dem Schicksal zu stellen. Díaz schafft es, die Balance zwischen Tragik, Hoffnung und menschlicher Widerstandskraft zu halten, sodass Oscar zu einer Figur wird, die Mut, Ausdauer und die Möglichkeit von Veränderung symbolisiert. Eine Geschichte, die zeigt, dass selbst im Angesicht von Flüchen und Schicksalsschlägen das Leben immer noch voller Chancen ist.
Hiromi Kawakawi "Der Himmerl ist blau, die Erde ist weiss"
Eine zarte Liebesgeschichte voller Weisheit und Humor
Hiromi Kawakawis Der Himmel ist Blau, die Erde ist Weiß erzählt die leise, berührende Geschichte von Tsukiko und ihrem alten Lehrer Sensei. Durch Zufall treffen sie sich wieder, und aus flüchtigen Begegnungen in einer Bahnhofskneipe entwickelt sich eine vorsichtige Freundschaft. Die beiden Charaktere wachsen dem Leser ans Herz: er mit seiner Weisheit und charmanten Verschrobenheit, sie mit ihren zurückhaltenden, trockenen Kommentaren.
Ohne große Abenteuer oder dramatische Wendungen entfaltet Kawakawi eine Geschichte, die von Geduld, kleinen Gesten und der leisen Magie menschlicher Beziehungen lebt. Die Verbindung zwischen Tsukiko und Sensei zeigt, dass Liebe und Freundschaft auch in der Alltäglichkeit wachsen können, und hinterlässt beim Lesen ein warmes, zufriedenes Lächeln.
Keri Hulme "Unter dem Tagmond"
Eine berührende Geschichte von Isolation, Vertrauen und Neuseeland
Keri Hulmes Unter dem Tagmond erzählt von Kerewin, die alleine an einem neuseeländischen Strand in einem selbstgebauten Turm lebt. Gezeichnet von Depressionen und Rückzug, wird ihr Leben durch den stummen Jungen Simon, der nach einem Schiffbruch bei seinem Ziehvater, einem Maori, lebt, auf den Kopf gestellt. Zwischen den beiden und Simons Ziehvater entwickelt sich langsam eine Beziehung voller Brüche, Vertrauen und kleinen Momenten der Nähe.
Hulme verbindet eindrucksvoll persönliche Schicksale mit der Schönheit Neuseelands: die faszinierenden Landschaften, das Leben der Maori und exotische Gerichte lassen den Leser tief in diese Welt eintauchen. Trotz der dramatischen Ereignisse vermittelt das Buch Wärme und Akzeptanz – ein eindrucksvolles Werk über menschliche Verbindung, Verletzlichkeit und die Stärke, sich dem Leben zu stellen.